HR-Passonista | Marion Eppinger

„Wer nicht befehlen kann, braucht Akzeptanz“ – Führen ohne Vorgesetzenfunktion

Kleines Kind geht auf einer Straße und führt einen Hund an der Leine, umgeben von Holzfässern und Blumen.
Die sogenannte “Laterale Führung” und wie man diese Rolle ausfüllt, ist ein Thema, das vom Product Owner bis hin zum Projektleiter viele beschäftigt. Besonders in agilen Arbeitsstrukturen und selbstorganisierten Teams fehlen die “echten Konsequenzen”, die getroffen werden müssten, wenn Konflikte auftreten bzw. Teams nicht die Leistung bringen.
Beispiel:

Nele wird zur Projektleiterin für das Projekt Digitalisierung ernannt. Das Team besteht aus 7 Mitgliedern und der Zeitplan ist streng getaktet. Manuel, Developer,  ist von der neuen Teamstruktur gar nicht begeistert. Er liefert seine Aufgaben meist unvollständig oder zu spät ab. Nele ist frustriert, da sie keine disziplinarische Verantwortung hat, um ihn zurechtzuweisen.

Leadership ohne Machtdemonstration

Oft sind wir mit Leitungsaufgaben konfrontiert, ohne die disziplinarische Verantwortung für ein Team zu haben – eine unlösbare Aufgabe? Nein! – Es gilt mit der fehlenden Weisungsbefugnis und unterschiedlichen Interessen zurechtzukommen und die Machtstrukturen gezielt zu nutzen. Warum fällt es uns dann in der Praxis so schwer, dies zu akzeptieren und sein Team so zu führen, dass Aufgaben erledigt werden?

Machtstrukturen? In einem Projektteam arbeitet man auf Augenhöhe miteinander, da sind Positionstitel irrelevant. Es macht keinen Sinn, die Führungsrolle raushängen zu lassen, sondern Teamdynamiken zum Vorteil des Projektergebnisses zu nutzen.

Beispiel:

Manuel will nicht, dass Nele die Chefin raushängen lässt und ist deshalb demotiviert. Nele erkennt die Thematik und bekräftigt Manuel’s Kompetenzen. Sie spricht direkt mit ihm und gibt ihm im Team eine wichtige Rolle zu. Dadurch erhält er einen Sinn für seinen Einsatz und auf einmal  läuft die Zusammenarbeit wie am Schnürchen. 

In der lateralen Führung geht es nicht darum, jemanden “dazu zu bringen“, etwas zu tun. Laut Dr. Kösten geht es darum, die gelebte Struktur gut zu argumentieren, eine gemeinsame Sichtweise zu entwickeln und ein Umfeld zu schaffen, in dem man freiwillig, selbst motiviert und eigenverantwortlich handelt. Klingt ja ganz einfach in der Theorie, nicht wahr?

Ich war vom 8. – 9. Mai 2023 beim Seminar “Führen ohne Vorgesetztenfunktion” an der ARS Akademie  (Vortragende Frau Dr. Kösten). Was ich mitgenommen habe zu dem Thema möchte ich heute hier kurz für Euch zusammenfassen.

 

Wie alles beginnt

Bevor man die laterale Führung für ein Team übernimmt, ist folgendes zu klären:

Wie finde ich das benötigte Selbstvertrauen?

Wenn du mehr über dich selbst erfahren möchtest und dein Selbstvertrauen stärken möchtest, mach eine Analyse von Fremdbild & Selbstbild als ersten Schritt. Frage dein Team mittels Fragebogen, wie zB. anteilnehmend, optimistisch oder präsent sie dich finden und besprich die Ergebnisse mit deinen Kolleg*innen. (Vorlage für Abgleich Selbst-/Fremdbild) Liegt die Wertung des Teams weit von deiner eigenen auseinander, ist dies ein Hinweis, dass du dich in diesen Bereichen weiterbilden solltest. (Sprich dazu mit deiner HR Abteilung oder Führungskraft)

Wir haben diese Übung auch im Seminar gemacht und ich konnte eine klare Erkenntnis mitnehmen => ich bin ein offenes Buch! 😃

Fremdbildeinschätzung durch KollleginSelbstbildeinschätzung durch Marion
Drag

Vorlage zur Analyse von Selbst- & Fremdbild

Für einen leichteren Start der Analyse habe ich euch eine Vorlage erstellt, die ihr gerne verwenden könnt! 😊

Starkes Auftreten als Machthaber*in ist kontraproduktiv

Hast du die 3 Punkte Management Buy-in, Team Akzeptanz und Selbstvertrauen für Dich geklärt, dann kannst du ins Detail eintauchen, wie du die Rolle der lateralen Führungskraft für Dich umsetzen möchtest. Das Thema der Führungs- und Teampersönlichkeiten schauen wir uns im nächsten Blogbeitrag an.

Mein Fazit

Das Team in ein Boot zu holen, dessen Stärken und Fähigkeiten für das Gesamtprojekt zu nutzen und wertzuschätzen, sind hier essenziell. Jeder bekommt eine wichtige und klar kommunizierte Rolle und Aufgaben. Dann steuert man gemeinsam schon in die richtige Richtung.

Ihr seid jetzt bereits in einer Führungsposition ohne Vorgesetztenfunktion und habt gemerkt, dass euch einer der Punkte fehlt und der Projekterfolg deshalb aktuell noch auf sich warten lässt? Dann ist jetzt Zeit zum Handeln. Es ist keine Schande, das Management noch nachträglich um eine klare Delegierung zu bitten, oder einen frischen Start im Team zu initiieren. Beim Selbstwertgefühl müsst ihr euch tatsächlich selbst an der Nase nehmen, doch auch das ist für jeden zu schaffen. Wer das Gefühl hat, sich in schwierigen Gewässern zu befinden und Hilfe zu brauchen, sollte sich diese auch holen und annehmen, denn das zeigt von wahrer Stärke. Wie auch Frau Dr. Kösten im Seminar gesagt hat:

“Wer nicht befehlen kann, braucht Akzeptanz”

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Marion Eppinger ist die #hrpassionista

Sie ist Influencerin für Trends im HR-Bereich. Richtungsweisend und agil für Top-Themen der Branche.

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