HR-Passonista | Marion Eppinger

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Die 5 Schritte, mit denen Unternehmen echte Sicherheit schaffen

in gelbes Verkehrsschild mit der Aufschrift „SAFE PLACE“ vor dunklem Hintergrund.

Der Weltfrauentag steht für Gleichberechtigung, Würde und Selbstbestimmung. Aktuelle Vorfälle in einem 5‑Sterne-Betrieb in Tirol zeigen jedoch, wie herausfordernd der Arbeitsalltag für viele junge Menschen sein kann. 

Ehemalige Lehrlinge berichten von sexuellen Übergriffen, entwürdigenden Situationen, körperlicher Gewalt und rassistischen Aussagen durch mehrere Personen im Küchenbereich. Diese Schilderungen lösten umfangreiche interne Maßnahmen aus, darunter personelle Konsequenzen und ein strukturiertes Teamcoaching.

Dieser Fall macht sichtbar, wie rasch ein Arbeitsumfeld seine Sicherheit verlieren kann – und wie entscheidend verantwortungsvolle HR-Arbeit ist.

Sexuelle Übergriffe gehören zu den belastendsten Erfahrungen im Berufsleben. Viele Menschen kennen Situationen, in denen der persönliche Raum übergangen wurde: unerwünschte Berührungen, aufdringliche Blicke oder herabwürdigende Kommentare. Solche Erlebnisse wirken tief und hinterlassen emotionale Spuren.
Damit Unternehmen ihre Mitarbeitenden schützen, tragen HR und Führung eine zentrale Rolle. Prävention gelingt durch klare Prozesse, konsequente Haltung und eine Unternehmenskultur, die Schutz und Respekt fördert.

Aktuelle Studienlage: Warum sexuelle Belästigung weiterhin ein massives Arbeitsweltproblem ist

Eine aktuelle Studie der AK Niederösterreich zeigt erneut, wie weit verbreitet sexuelle und geschlechtsbezogene Belästigung am Arbeitsplatz tatsächlich ist. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • 57 % der Frauen berichten von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Aber auch 35% Männer sind betroffen.
  • Sechs von zehn Frauen erleben geschlechtsbezogene Belästigung – beispielsweise durch abwertende Kommentare oder stereotype Arbeitszuteilungen.
  • Jede dritte betroffene Frau gibt an, von ihrer Führungskraft belästigt worden zu sein.
  • Mehr als die Hälfte aller Betroffenen meldet Vorfälle nicht, aus Angst vor Konsequenzen oder weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden.

Diese Zahlen verdeutlichen:

Es sind keine Einzelfälle, sondern es handelt sich um ein strukturelles Problem, das tief in Unternehmenskulturen verankert ist. Und sie zeigen ebenso, wie wichtig klare Prozesse, Schutzmechanismen und eine Kultur des Unterbrechens und Ansprechens sind.


5 zentrale Handlungsempfehlungen für Unternehmen & HR

1. Aktiv handeln – Verantwortung sichtbar leben

Sobald ein Verdacht auftaucht, braucht es strukturiertes und entschlossenes Vorgehen:

  • Sofortige interne Prüfung
  • Schutzmaßnahmen für betroffene Personen
  • Temporäre Freistellung der beschuldigten Mitarbeitenden während der Untersuchung

Handeln bedeutet Haltung.

2. Führungskräfte vorbereiten – klare Haltung zeigt Stärke

Führungskräfte gestalten das Klima im Team. Sie prägen, wie sicher sich Mitarbeitende fühlen und wie ernst Grenzen genommen werden.

Dafür brauchen sie:

  • Bewusstsein für Machtverhältnisse
  • Wissen über Warnsignale
  • Kompetenzen im Umgang mit sensiblen Meldungen
  • Klarheit über rechtliche und organisatorische Verantwortung


Führung beginnt bei der inneren Haltung – und zeigt sich im konsequenten Einsatz für Sicherheit und Würde.

3. Strukturierte Prozesse zur Meldung & Eskalation

Jedes Unternehmen braucht definierte Abläufe, die Orientierung geben und Sicherheit schaffen:

  • Klare Meldestellen
  • Transparente Schritte der Fallbearbeitung
  • Vertrauliche Dokumentation
  • Festgelegte Zuständigkeiten und Fristen
  • Strukturiertes Untersuchungsmodell

Struktur schafft Sicherheit für alle Beteiligten.

4. Professionelle Trainings für Mitarbeitende & Führungskräfte

Regelmäßige Schulungen stärken Bewusstsein und Handlungssicherheit:

  • Sensibilisierung zu sexueller Belästigung
  • E-Learnings zur Prävention
  • Trainings für Führungskräfte zum Umgang mit Meldungen
  • Workshops zu Macht, Grenzen und Respekt

Gemeinsames Wissen fördert gemeinsames Verantwortungsgefühl.

5. Psychologische Sicherheit als Fundament der Unternehmenskultur

Eine Kultur der psychologischen Sicherheit ermutigt Menschen, Grenzen zu ziehen und Herausforderungen offen anzusprechen. Sie stärkt:

  • Vertrauen
  • Respekt
  • Mut zur Kommunikation
  • Engagement und Teamgeist

In einem solchen Umfeld fühlen sich Mitarbeitende geschützt und wertgeschätzt. Psychologische Sicherheit bildet die Grundlage dafür, dass unangemessene Verhaltensweisen keinen Raum bekommen.

Warum der Dialog zwischen Männern und Frauen entscheidend ist – gerade rund um den Weltfrauentag

Der Weltfrauentag erinnert uns jedes Jahr daran, wie wichtig Gleichstellung und Sicherheit am Arbeitsplatz sind.

Echter Fortschritt entsteht, wenn Frauen offen über ihre Erfahrungen sprechen und Männer aktiv in den gemeinsamen Dialog einsteigen – auch dann, wenn Unsicherheit oder die Sorge besteht, etwas falsch zu machen. Gemeinsam entsteht ein Raum, in dem Verständnis wächst und Veränderung möglich wird.
 
Veränderung braucht keine starren Lager, sondern einen gemeinsamen Raum:
 
  • Männer, die Verantwortung übernehmen und hinschauen
  • Frauen, deren Erfahrungen sichtbar, gehört und ernst genommen werden
  • Führungskräfte, die Haltung zeigen
  • Unternehmen, die Strukturen schaffen, die wirklich schützen

 

Nur dieser gemeinsame Dialog führt zu echter Awareness und langfristiger Veränderung.
Kein Entweder-oder, sondern ein Miteinander.

Mein Fazit

Verantwortung entsteht durch bewusstes Handeln

Der Weltfrauentag erinnert daran, wie wichtig Würde, Selbstbestimmung und ein respektvolles Miteinander sind. Unternehmen gestalten Arbeitsumgebungen aktiv mit – und tragen damit eine große Verantwortung.

Sicherheit entsteht durch Haltung.
Respekt entsteht durch Klarheit.
Vertrauen entsteht durch Handeln.

Wenn Unternehmen diese Prinzipien leben, entsteht ein Umfeld, in dem Menschen ihr Potenzial entfalten – frei von Angst, Druck oder Übergriffen.

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Marion Eppinger ist die #hrpassionista

Sie ist Influencerin für Trends im HR-Bereich. Richtungsweisend und agil für Top-Themen der Branche.

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