Warum der Nine-to-Five Job vielleicht gar keinen Sinn mehr ergibt.
2021 – das Jahr des unternehmerischen Handelns
By |Published On: Dezember 4th, 2020|1255 words|6,3 min read|

5 hilfreiche Tipps für wertschätzendes und konstruktives Feedback

In Zeiten von COVID-19 arbeiten wir alle mehr denn je virtuell. Beim Symposium “Arbeitswelten neu denken” hat Steffi Burkhardt, Vordenkerin und Sprachrohr der Gen Y, darauf hingewiesen, dass virtuelles Arbeiten noch mehr zunehmen und in Zukunft auch nicht mehr wegzudenken sein wird – darauf darf man sich schon einstellen. Das birgt vor allem für Führungskräfte große Herausforderungen. Das Jahresende naht, die Mitarbeitergespräche stehen an und viele arbeiten remote im Homeofficewie soll man da nun am besten Feedback geben, vor allem virtuell?

Es kann herausfordernd werden, doch mit meinen 5 Tipps können Sie diesen Prozess vereinfachen. Vorab: Gehen wir davon aus, dass man als Führungskraft die Basics schon vorbereitet hat. Notizen wurden über die Performance und Zielerreichung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin gemacht, Termin ist vereinbart und genügend Zeit ist anberaumt, um ihn Ruhe zu sprechen. Beschäftigen wir uns daher mit dem WIE: wie gebe ich virtuell am besten positives als auch negatives Feedback?

1. VAKOG (Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Olfaktorisch, Gustatorisch)

Hier verwenden Sie alle fünf Sinne im Gespräch, wie „ich sehe oder habe gehört, dass…“ und finden Sie durch gezieltes Fragen heraus, was die Präferenz ihres Gegenübers ist– „Was sagt Dir Dein Bauchgefühl dazu? Welche Bilder hast du dazu im Kopf?“ – (all das habe ich bereits einmal in einem Artikel von mir angesprochen – 5 Tipps für den besten ersten Eindruck und was wir von Pippi Langstrumpf für das nächste Erstgespräch lernen können – denn diese Ratschläge sind auch hier sehr hilfreich).

„Ich habe gesehen, dass Du die Einführung des Projektes sehr gut durchgeplant hast und die Aufgaben gerecht im Team verteilt hast. Das sind für mich tolle Führungsqualitäten und ist ein faires Miteinander im Team.“

Wenn Ihnen gelungen ist, herauszufinden welche Sinnesformulierungen Ihr Gegenüber am meisten anspricht, dann integrieren Sie diesen Sinn immer wieder in ihrem Gespräch und in ihrem Feedback – Sie werden sehen, damit werden Sie schneller als zuvor eine gemeinsame Gesprächsbasis mit ihrem Mitarbeiter/ihrer Mitarbeiterin finden.

„Ich habe wahrgenommen, dass Du die letzten Male zu unseren vereinbarten Teammeetings unentschuldigt zu spät gekommen bist, das ist nicht sehr wertschätzend Deinen TeamkollegInnen und mir gegenüber.“

2. Voll-Botschaften– verwenden Sie Voll-Botschaften, wenn sie Feedback geben.

Was so eine Voll-Botschaft am besten enthalten soll: zuerst sprechen wir einen der Sinne an. Im obigen Beispiel – für den auditiven Typen: „ich habe gehört“. Danach beschreibt man, was die Person gemacht hat und abschließend erklärt man, welchen Wert es für einen selbst erfüllt hat oder nicht. (Vertrauen und Weiterentwicklung im Beispiel oben) Ein schönes Feedback, oder? Geht runter wie Öl, nicht wahr?

„Ich habe gehört, dass du dieses Projekt ganz allein betreut und fristgerecht abgeschlossen hast. Das hat mir gezeigt, dass ich mich auf dich verlassen kann – das ist für mich eine gute Basis für eine Weiterentwicklung hier bei uns im Unternehmen.“

3. Sandwich-Feedback

Hier spreche ich nicht vom klassischen Sandwich-Feedback, das meiner Meinung nach zu wenig in die Tiefe geht. (Man gibt zuerst ein gutes und dann ein schlechtes Feedback. Abschließend noch einmal ein Positives.)

Meine Vorstellung von wirklich sinnvollem Sandwich-Feedback ist:

➟ Zuerst sucht man 2-3 Beispiele aus, die positiv empfunden wurden. Diese kommuniziert man in einer Voll-Botschaft!

“Liebe Kollegin/lieber Kollege, die Analyse, die Du mir heute abgegeben hast, war sehr gut aufbereitet, übersichtlich und klar gestaltet, war eine Freude anzuschauen und ich kann diese gleich so in meine Präsentation für das Management Meeting einpflegen – damit hast Du mir viel Zeit und Energie erspart. Vielen Dank dafür, war wirklich eine großartige Leistung”

➟ Erst dann gibt man ein negatives Beispiel:

„Wenn ich Dir einen Verbesserungsvorschlag mitgeben darf: ich würde Dich bitten, in Zukunft meine Aufgaben mehr zu priorisieren und nicht zu viele Tasks gleichzeitig abzuwickeln. Das verursacht Stress für Dich und mich und erhöht Deine Fehlerquote. Das macht Dich und mich unzufrieden in der Zusammenarbeit.“

❗ Bei einem negativen Beispiel immer begründen und definieren welchen Wert es verletzt hat.

Abschließend spricht man eine positive Zusammenfassung aus (wieder alles in Vollbotschaften)

„Zusammenfassend möchte ich Dir sagen, dass wir einen guten gemeinsamen Start in unserer Zusammenarbeit gehabt haben. Ich kann mich auf Dich verlassen und Du hast Deine Aufgaben immer fristgerecht erledigt, das schätze ich sehr und ist ein Zeichen von guter Teamarbeit. Danke dafür!“

Natürlich ist diese Version von Feedback oft umstritten, aber ich habe selbst in unterschiedlichsten Situationen in der Praxis sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Warum diese Form besonders gut funktioniert?

Wenn man einige positive Beispiele zur Person gefunden hat, dann ist der Gesprächspartner und man selbst positiver gestimmt. Es fällt beiden Gesprächspartnern danach leichter negatives Feedback zu geben bzw. anzunehmen. Die finale positive Zusammenfassung ist immer eine gute Basis für eine weitere Zusammenarbeit.

Überzeugt? Wenn nicht, einfach mal ausprobieren und beobachten was passiert. Übung macht ja sprichwörtlich den Meister!

4. Kamera an

Warum? Mimik und Gestik sind sowieso schon eingeschränkt virtuell wahrnehmbar, umso wichtiger ist es, sich zumindest bei Feedbackgesprächen in die Augen zu sehen. Es fällt dadurch leichter, sich auf die andere Person einzustellen und Reaktionen besser wahrzunehmen. Es ermöglicht uns zu reagieren und damit Missverständnisse / Konflikte zu vermeiden.

5. Keep calm und Mut zur Pause!

Sollte ein Gespräch aus dem Ruder laufen, was ja manchmal passieren kann, dann reagieren wir meistens auf drei Arten – wir schreien/kontern zurück (Angriff), wir gehen einfach weg (Flucht) oder wir sagen gar nichts („Tod stellen“). Keine der drei Optionen bringt wieder (ein Gleichgewicht) Ausgewogenheit in ein Gespräch. Also was tun? Einmal tief durchatmen ist ein guter Anfang. Damit klinkt man sich aus der Situation aus und konzentriert sich auf sich selbst. Man gewinnt Zeit, um wieder klare Gedanken zu fassen. Danach zusammenfassen, was bereits besprochen worden ist.

“Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du mit meiner Vorgangsweise nicht einverstanden bist und deswegen die Aufgabe nicht vervollständigt hast?”

Das verschafft Ihnen Zeit und einen Überblick zur Situation. Man ermöglicht sich dadurch noch einmal eine neue Perspektive und schafft sich Gehör. Es vermeidet dadurch impulsive Kurzschlussreaktionen und zeigt auch keine Schwächen. Im Gegenteil – Mut zur Pause und Ruhe – das ist man heutzutage fast nicht mehr gewohnt. Ihre Herangehensweise wird Ihr Gegenüber überraschen und bringt Ihnen einen Vorteil im Gespräch. Keep Calm and stay strong!

Mein Fazit

Das beste Rezept für ein Unternehmen egal ob Krise oder nicht – lautet: die Demografie des Unternehmens zu kennen und zu verstehen, damit das Generationenthema in die Benefitsauswahl mit einfließen kann. Ein noch viel wichtigerer Punkt ist – MitarbeiterInnen zu Bedürfnissen und Wünschen in Bezug auf Zusatzleistungen direkt zu befragen. Nur dann bekommt man ein wirkliches Bild davon, was motiviert und was eigentlich nicht. Diese Kombination, so komplex wie sie auch ist, ist eine gute Basis für die Zukunft und fördert die Attraktivität eines Unternehmens. Man muss verstehen, dass es nicht „das Erfolgsrezept“ dafür gibt, weil jeder Mitarbeiter/jede MitarbeiterIn und jedes Unternehmen ist einzigartig und das ist gut so. So ist und bleibt die Welt ein bunter und vielfältiger Ort. Denn Mahatma Gandhi hat schon gesagt:

„Die Individualität ist die eigentliche Quelle des Fortschritts.“

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Über die Autorin

Marion Eppinger ist die #hrpassionista

Sie ist Influencerin für Trends im HR-Bereich. Richtungsweisend und agil für Top-Themen der Branche.

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